gutes design

das letzte buch das ich vor kurzem erst gelesen habe, heißt “the shape of things” von vilém flusser. der medienphilosph, der sich sonst mit der kulturellen bedeutung des alphanumerischen kodes auseinandersetzt, betrachtet in diesem buch kritisch das menschliche streben nach der entwicklung immer neuer technologien und deren verantwortungslosen umgang.

vilém flusser versteht zunächst einmal unter dem wort design eine sprache zur suche nach wissen, resourcen, materialität und zeit. sein provokatives statement zu beginn des buchs: “wenn man beschließt ein designer zu werden, entscheidet man sich gegen das gute an sich”, ist der ausgangspunkt seiner radikalen überlegungen.
der kern dieser aussage basiert auf der grundannahme dass das “gute an sich” oder das “moralisch gute”, und das zweckmäßige, zielgerichtete gute, sich gegenseitig ausschließen. mit anderen worten ausgedrückt: alles was gut für einen bestimmten zweck ist, muss automatisch schlecht im moralischen sinne bzw. das wahrhaft böse sein, da es zwischen diesen beiden extremen aus seiner sicht  keinen kompromiss geben kann. da es aber widerum für alles einen bestimmten zweck gibt, exisitiert das wahrhaft gute, nach dem man streben kann, konsequenterweise erst gar nicht.

diese erkenntnis führt in weiteren überlegungen dazu dass sich der designer, respektive der entwickler neuer technologien, letztendlich dazu entscheiden muss ob er entweder schlecht und nützlich, oder unnützlich und heilig handeln möchte. da letzteres aber widerum dem selbstverständniss eines designers widerspricht, da dieser selbst wenn er schlecht oder gar nicht gestaltet dieses dennoch immer bewußt macht und somit funktional handelt, folgert flusser dass es somit bisher nur den unterschied in elegantem und benutzerfreundlichem design geben kann und somit die arbeit des gestalters niemals im stande ist wahrhaft gutes zu vollbringen.  

da der mensch aber unfähig ist nicht zu handeln bzw. dies ein widerspruch in sich selbst darstellt, führt dies einen nun zu der grundlegenden frage in wie fern sich der mensch im umgang mit der entwicklung immer neuer dinge, im sinne des technologischen fortschrittdenkens, überhaupt ändern kann?

vilém flusser nähert sich dieser fragestellung indem er versucht das problem der fehlenden verantwortung bei der erschaffung von dingen zu illustrieren. er fordert dass sobald jemand etwas erschafft, er sich mit der frage der verantwortung auseinandersetzen muss.
aber wer ist zum beispiel dafür verantwortlich wenn ein roboter einen menschen tötet? derjenige der ihn konstruiert hat, derjenige der das messer erfunden hat oder derjenige der das programm geschrieben hat? das fatale an diesem szenario ist dabei aus flussers sicht nicht die tat an sich, sondern die tatsache dass keiner der beteiligten designer sich dabei in seinem entwicklungsprozess die frage der verantwortung gestellt hat, diese somit vollkommen verloren gegangen ist.

flusser bemängelt somit grundsätzlich dass gestalterische prinzipien fast ausschließlich pragmatisch und funktional und selten moralisch, wenn auch oft politisch sind. da er aber die lösung verantwortungsbewußteren designs darin sieht dass dieses bessere metainformationen über sich selbst, also dessen konsequenzen und bedeutung kommunizieren muss, lautete seine eigentliche hauptforderung inerhalb des buchs: kann der designer seine werke so gestalten dass der kommunikative, der intersubjektive teil stärker betont wird als das gegenständlich, substantielle und problematische?  

diese notwendigkeit änderung des verhaltens leitet er aus der annahme ab, dass das bewußtsein des menschen sich im laufe der zeit gewandelt halt. flusser beschreibt die entwicklung des menschen vom hand-mensch zum werkzeug-mensch, maschinen-mensch und roboter-mensch. 
wir sind rekletierende und spekulierende lebewesen die sich somit im laufe der zeit vom handwerklichen arbeiten, zum wählen und entscheiden emanzipiert haben. wir entwickelten eine kulturphilosophie, eine wachsende sammlung an dingen, die wir gegen die vier wände projezieren und sind nach und nach weniger damit beschäftigt dinge zu besitzen als informationen zu konsumieren. kein weiteres möbelstück oder kleidungsstück sonder ein weiterer urlaub oder eine besserer schule für unsere kinder wird von größerer bedeutung.
flusser sieht weiterhin den mensch der zukunft mehr als akademiker und nicht als handwerker, arbeiter oder ingenieur. wodurch seine vorstellung über betriebe der zukunft folglich wissenschaftliche labore, kunstakademien, büchereien oder andere wissenssammlungen sind.

zusammenfassend kann man somit sagen dass die lösung guten designs nicht darin liegt moralisch gutes design zu gestalten, da dies wie bereits erwähnt ein trugbild ist, sondern durch die gestalteten produkte ein bewußtsein über dessen bedeutung zu erzeugen. wir können somit nicht gut gestalten sonder nur zeigen welche konsequenzen unsere handlungen haben, also darüber informieren wie gut oder schlecht sie sind. die potentielle möglichkeiten der kommunikation müssen ausgeschöpft werden um dem menschen die möglichkeit einer erkenntnis über die bedeutung seiner handlung zu geben. dieses bewußtsein ist in sofern von großer bedeutung da durch das überwinden technologischer hürden, eine entscheidung mehr und mehr von der motivation der menschheit abhängt.
die fähigkeit großes zu bewirken bringt somit eine forderung nach verantwortungsbewußtem handeln mit sich, wobei wir dafür aufgearbeitet informationen benötigen die uns ein verständnis über diese welt überhaupt erst ermöglichen.

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